Archive-name: de/netzkultur/diskussionsphilosophie Posting-frequency: weekly Last-modified: 2003-05-01 Version: 1.1 URL: http://usenet.ionflux.org/diskussionsphilosophie Maintainer: Joern P. Meier ======================================================================== Vernünftiges Verhalten in de.alt.admin ======================================================================== Methodologie einer konstruktiven Diskussionskultur für d.a.a. (und andere Gruppen, soweit anwendbar) ------------------------------------------------------------------------ INHALT ------------------------------------------------------------------------ I. Disclaimer Über Herkunft und Intention dieses Dokuments II. Zusammenfassung Knappe Darstellung der Methodologie für Eilige III. Methodologie Ausführliche Darstellung der Methodologie IV. FAQ Häufige Fragen, Antworten und Erläuterungen V. Changelog Änderungen gegenüber der letzten Version ------------------------------------------------------------------------ I. DISCLAIMER ------------------------------------------------------------------------ Dieser Beitrag wurde von mir (Joern P. Meier) verfasst und basiert im Wesentlichen auf meiner persönlichen Einschätzung und ist darüberhinaus eine Zusammenfassung der Erkenntnisse von Philosophen, die sich mit der Materie auseinandergesetzt haben. Er ist weder für de.alt.admin oder eine andere Newsgroup verbindlich, noch erhebt er Anspruch darauf, grundlegende Wahrheiten zu beinhalten. Im Zweifelsfall gilt: Die Befolgung der hier aufgestellten Regeln ist hilfreich, aber optional! Dieser Beitrag dient vorwiegend Informationszwecken und ist für solche Personen bestimmt, die an einer sachlichen, produktiven Diskussion interessiert sind. Zudem soll er neuen Benutzern wieder Zuversicht geben, die erstmals nach de.alt.admin hereinschauen und sich angesichts des vermeintlich vorherrschenden Diskussionsstils entsetzt abwenden wollen: Gebt nicht auf, denn es gibt noch Hoffnung! Ich habe diesen Beitrag gerade auf de.alt.admin zugeschnitten, da mir in den vielen Jahren, die ich nun im Usenet aktiv bin, immer wieder Folgendes aufgefallen ist: Gerade in dieser Gruppe, in der es eben besonders auf eine möglichst argumentativ und konstruktiv gestaltete Diskussion ankommt (der Grundatz von de.alt.admin ist immerhin Fairness!), kommt es viel zu häufig zu "polemischen Exzessen", in denen sich völlig unbegründete Standpunkte gegenüberstehen. In vielen Gruppen der deutschsprachigen Hierarchie geht es fairer zu, als in de.alt.admin! Sollte das so sein? Meiner Ansicht nach nicht. de.alt.admin sollte gerade ein Beispiel für konstruktive Zusammenarbeit sein. Rückfragen und ernstgemeinte, kritisch-rationale Änderungsvorschläge [ ;) ] sind bitte an meine Adresse zu richten. Natürlich kann an diese Adresse auch hemmungslos geflamed werden, wie ich mich überhaupt erdreisten könnte, solch ein Papier in de.alt.admin zu posten. Ich behalte mir vor, solche Mails in Einklang mit den Punkten 9 und 12 dieses Dokuments zu ignorieren. :-) ------------------------------------------------------------------------ II. ZUSAMMENFASSUNG ------------------------------------------------------------------------ 1) de.alt.admin dient nicht der Unterhaltung, sondern der Einrichtung und Löschung von Gruppen in de.alt. 2) de.alt.admin braucht keine "Regelwächter", sondern Standpunkte mit sachlichen Argumenten. 3) "Fairness" liegt auch im Sinne der Definition von de.alt.admin im Auge des Betrachters und ist nur schwer aus Regeln ableitbar. 4) Die Masse der Personen, die einen Standpunkt vertreten, ist unabhängig von Anzahl und Qualität der Argumente, die diesen Standpunkt untermauern. 5) Die eigene Position sollte jederzeit argumentativ gerechtfertigt werden können. 6) Andere Diskussionsteilnehmer sollten dabei unterstützt, nicht behindert werden, eine Argumentation nachvollziehen zu können. 7) Eine übersichtliche Gestaltung der Argumentation ist dem Verständnis durch andere Diskussionsteilnehmer zuträglich. 8) Es ist nicht trivial festzustellen, ob ein anderer Diskussionsteilnehmer einen Standpunkt nicht verstehen kann bzw. will, oder ob ihm dazu nur Informationen fehlen. 9) Ziellose Diskussionen können durch sachgemäße Anwendung von Filtern vermieden werden. 10) Mit einem Fehler oder Irrtum in der eigenen Position muss stets gerechnet werden. 11) Der Status Quo erscheint meist einfacher zu verteidigen, als eine sinnvolle Neuerung durchzusetzen ist. Trotzdem muss in Erwägung gezogen werden, dass eine solche Neuerung sinnvoll sein kann. 12) Wenn ein Diskussionsteilnehmer einen Standpunkt trotz guter Argumente nicht einsehen will, helfen auch Drohungen und Beleidigungen nicht weiter. ------------------------------------------------------------------------ III. METHODOLOGIE ------------------------------------------------------------------------ 1) Ich sollte de.alt.admin nicht mit einer Talk- oder Labergruppe verwechseln. Wenn ich an einer Gruppe, die Diskussionsgegenstand in d.a.a. ist, kein argumentativ begründbares Interesse habe, habe ich in d.a.a. nichts verloren. d.a.a. ist keine Plattform für meine rhetorischen Fähigkeiten, sondern dient der Diskussion über das Für und Wider neuer Gruppen. 2) Es ist unnötig, dass jemand über die "Fairness" wacht, wenn alle Beiträge auf rationaler Argumentation und Kompromissbereitschaft beruhen. Ich sollte nicht versuchen, "Regular" in d.a.a. zu sein, weil ich mich für besonders "fair" oder "wichtig" halte. 3) Wenn Fairness oberstes Gebot ist, kann ich mich auf keine "höheren Wahrheiten" berufen. "Fairness" kann nur im gegenseitigen Einvernehmen unter Teilnehmern der Diskussion festgestellt werden. 4) Ich sollte nicht versuchen, mein Ansehen als "Netizen" oder die Größe meiner "Lobby" als Grund ins Feld zu führen, dass andere Leute meiner Meinung sein müssen. Zur Überzeugung Anderer sind einzig meine Argumente geeignet. 5) Ich muss meine eigene Position ständig einer rationalen Kontrolle unterziehen und prüfen, ob ich sie argumentativ rechtfertigen kann. Wenn das nicht möglich ist, laufe ich Gefahr, eine "höheren Wahrheit" mit einem Argument zu verwechseln und somit bei Anderen Unverständnis für meine Position auszulösen. 6) Als Maßstab für meine rationale Entscheidung dient das Prinzip der intersubjektiven Nachprüfbarkeit: Wenn jemand einen Widerspruch in meiner Argumentation sieht, obwohl er von den gleichen Grundlagen wie ich (z.B. "Fairness") ausgeht, muss ich meine Position einer Kontrolle unterziehen. Falls ich der Ansicht bin, dies bereits in ausreichendem Maße getan zu haben, sollte ich der betreffenden Person einen Hinweis auf eine Zusammenfassung meiner Argumente (z.B. Message-ID) geben. 7) Ich sollte meine Argumente übersichtlich und Punkt für Punkt aufstellen, damit es anderen erleichtert wird, Fehler in meinen Gedankengängen zu finden und diese mir mit geeigneter Methodik verständlich zu machen. Als geeignete Methodik kommt nur die kritische Argumentation in Betracht. 8) Ich sollte prinzipiell so lange wie möglich davon ausgehen, dass mein Gegenüber mir intellektuell ebenbürtig ist, da ich sonst leicht in einen polemischen Ton verfalle. Meine erste Reaktion auf ein Posting kann demnach nie sein, dem anderen mangelndes Verständnis vorzuwerfen. Ich sollte mindestens einmal den Versuch unternehmen, herauszufinden, ob das Verständnisproblem nicht eigentlich auf meiner Seite liegen könnte, oder ob der Andere aufgrund mangelhafter Information (das ist nicht das Gleiche wie mangelhaftes Auffassungsvermögen!). zu fehlerhaften Schlüssen gekommen ist. Im letzteren Fall sollte ich den Versuch unternehmen, der betreffenden Person die Informationen in sachlicher Form zur Verfügung zu stellen. Besondere Hinweise auf die Uninformiertheit dieser Person sind nicht notwendig. Anderen Personen wird dies bereits dadurch klar, dass ich zusätzliche Informationen zur Verfügung stelle. 9) Für den Fall, dass ich der Meinung bin, mit einer Person nicht diskutieren zu können, da sie z.B. keinen Wert auf das Kriterium der intersubjektiven Nachprüfbarkeit legt oder von mir die Akzeptanz eines universellen "Es gibt"-Satzes als Diskussionsgrundlage verlangt (dessen Widerlegung nach den Regeln der Logik nach nicht möglich ist), sollte ich die Beiträge dieser Person ignorieren, da sie mit Sicherheit gegen eine der Regeln für vernünftiges Verhalten in d.a.a. verstößt. 10) Ich muss immer damit rechnen, dass ich eine dieser Regeln ungewollt oder im "Eifer des Gefechts" verletze. In diesem Fall sollte ich Einwänden besonders viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, die mir zeigen wollen, dass ich gegen eine der Regeln verstoßen habe und somit die "Fairness" der Diskussion gefährde. Wenn ich einen Widerspruch in meiner Argumentation entdecke, sind meine Voraussetzungen falsch. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. 11) Wenn ich durch die Einrichtung einer Gruppe nicht meine persönlichen Freiheiten in Gefahr sehe, und diese Gruppe nicht gerade grober Unfug ist, der technische oder ergonomische Probleme schaffen könnte, muss ich besonders sorgfältig überlegen, ob ich legitimen Widerspruch gegen die Einrichtung dieser Gruppe einlegen kann. Meine Argumente gegen die Einrichtung einer Gruppe müssen für jeden nachvollziehbar und frei von Berufung auf "höhere Prinzipien" sein. Ich muss überdies argumentativ zeigen können, das mein Interesse in besonderer Weise berücksichtigt werden muss, da ich ansonsten eher die Freiheiten anderer einschränke, als dass meine eigenen Freiheiten eingeschränkt werden. Ich muss akzeptieren, dass es im Usenet praktisch unmöglich ist, mir oder der Entfaltung meiner Persönlichkeit Schaden zuzufügen. 12) Kommunikation (zumindest unter dem Gebot der "Fairness") sollte auf gegenseitigem Einvernehmen basieren. Ich kann von niemandem erwarten, eine Regel zu akzeptieren, nach der ich selbst handle. Ich darf andere nicht durch "Gewalt" oder Drohungen zwingen, nach meinen Regeln zu handeln. Selbst die Akzeptanz dieser Regeln ist für mich optional. Ich kann allerdings von keiner Person erwarten, dass sie mir mehr Freiräume zubilligt, als ich meinerseits dieser Person zubillige. Es ist daher in meinem Interesse, wenn ich das Verfahren der kritisch-rationalen Diskussion als Methodologie für mein Verhalten in d.a.a. verwende. ------------------------------------------------------------------------ IV. FAQ ------------------------------------------------------------------------ 1 > F: Wie kannst du einerseits behaupten, es gäbe keine höheren Prinzipien, aber andererseits dieses Dokument mit einer Reihe von Regeln posten, an die ich mich angeblich zu halten habe? A: Diese Regeln sind kein höheres Prinzip, sondern eine Methodologie. Das bedeutet, sie sollen eine Reihe von "Grundsätzen" darstellen, die zu einer konstruktiven Diskussion beitragen können, wenn man sie befolgt. Der Unterschied zwischen einem höheren Prinzip und einer Methodologie ist der, dass niemand den Anspruch an dich stellen kann, eine Methodologie zu befolgen. Eine Methodologie ist ein Vorschlag für eine bestimmte Verfahrensweise, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In diesem Fall ist das Ziel, eine konstruktive Diskussion. 2 > F: Deine Methodologie für eine konstruktive Diskussion ist schlecht/ unsinnig/widersprüchlich/gefährlich und ich werde lieber sterben, als mich daran zu halten! A: Niemand zwingt dich, dich an irgendwelche Regeln zu halten, schon gar nicht dieses Dokument. Allerdings darfst du dich nicht wundern, wenn du dein Ziel einer konstruktiven Diskussion auf anderem Wege nicht erreichst. Oder ist das gar nicht dein Ziel? 3 > F: Ich habe eine Alternative zu dem Unsinn, den du da von dir gibst und möchte, dass sie stattdessen gepostet wird! A: Niemand, insbesondere nicht ich, wird dich daran hindern, eine Alternative vorzustellen und regelmäßig zu posten. 4 > F: Ich möchte diesen Unsinn von dir/ nicht mehr lesen! Was soll ich deiner Meinung nach tun? F: Joern P. Meier/ ist ein Schnösel/Rechthaber/ Netzterrorist der sich nicht an seine eigenen/ hält! Er hat mich in erwiesenermaßen beleidigt, hat keine Ahnung und kann nicht diskutieren! Was soll ich tun? A: Der Methodologie zu Folge solltest du die betreffende Person in einen Filter aufnehmen, der verhindert, dass die betreffenden Postings angezeigt werden. Auf diese Weise hast du deine Ruhe, und niemandes Freiheit wird eingeschränkt. Dein Newsreader bietet dir eine entsprechende Option 5 > F: Dein Posting ist unnötig, da es bereits die Netiquette/ gibt! A: Dieser Beitrag möchte die Netiquette nicht ersetzen, sondern sie allenfalls ergänzen. Die Netiquette ist ein vorwiegend formaler Leitfaden für eine angemessene Diskussionsatmosphäre. Sie stellt meiner Ansicht nach keine inhaltliche Methodologie dar. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass meine Methodologie ohne Weiteres mit der Netiquette vereinbar ist und mit ihr koexistieren kann. Was die Traditionen von de.alt.admin betrifft, so versuche ich natürlich durchaus, gewisse unerfreuliche Dinge zu ändern, die sich im Laufe der Jahre eingebürgert haben. :-) Da dies aber rein argumentativ erfolgt, wird wohl niemand dabei zu Schaden kommen. ;-) 6 > F: Mit deiner Forderung 1) möchtest du doch nur jegliche Opposition gegen die Einrichtung einer Gruppe unterdrücken! A: Die Opposition gegen die Einrichtung einer Gruppe kann durchaus argumentativ begründbares Interesse daran haben, dass die Gruppe nicht eingerichtet wird. Wichtig ist eben nur, dass sie die Argumente für ihre Position darlegen können. Das gilt natürlich auch für die Leute, die eine Gruppe einrichten wollen! Leute, die diese Regeln missachten, werden so oder so protestieren, ganz gleich ob der Protest begründet ist oder nicht. Sie müssen sich selbstverständlich in diesem Fall auch nicht an eine der hier dargelegten Regeln halten. Diese Regeln richten sich ausschließlich an Leute, die an einer konstruktiven Diskussion interessiert sind. 7 > F: Mir fehlt eine Begründung dafür, dass diese Regeln zwangsläufig zu einer konstruktiven Diskussion führen. Ich sehe das überhaupt nicht ein und bin dagegen, bis du mir im Detail erklärst, wieso das der Fall sein könnte. A: Erstens funktioniert kritisch-rationale Diskussion und Argumentation nur, wenn alle Beteiligten zumindest offen für die Möglichkeit sind, dass der Andere mit seiner Position Recht hat. Wer sich von vorneherein auf den Standpunkt stellt, dass dies nicht sein kann, ist für eine Überzeugung durch Argumentation nicht offen (vgl. Punkte 5, 8, 12). Jemand der prinzipiell nicht bereit ist, diese Methodologie zu akzeptieren, kann mit den Mitteln, die diese Methodologie vorschlägt (kritsch-rationale Argumentation), natürlich nicht überzeugt werden. Die Entscheidung, dass diese Methodologie sinnvoll ist, muss freiwillig getroffen werden. Zweitens kann zu jedem Punkt die Frage gestellt werden, was denn die Folge einer Missachtung dieses Punktes wäre, und ob man diese Konsequenz wirklich in Kauf nehmen will. Hier ein paar Beispiele: 1) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "PROTEST!!!! Mir gefällt diese Gruppe nicht!" Dieser nicht argumentativ begründete Einwurf wäre legitim, wenn Punkt 1 missachtet würde. 2) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "Ich habe auch schon die Einrichtung von Newsgroup X und Y durch meinen Protest verhindert. Es kommt nur darauf an, wieviel Postings man absetzt. Irgendwann verlieren die anderen dann schon die Lust und geben auf." Wenn Punkt 2 missachtet würde, wäre das ein legitimes Verhalten in d.a.a. Es fehlt nicht nur die Begründung, der Protest dient obendrein nur Unterhaltungszwecken. 3) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "Wenn eine Gruppe einrichten darf, darf ich das auch! Das folgt aus dem Grundsatz der Gleichheit und ist nur fair!" Wenn Punkt 3 missachtet würde, wäre diese Forderung legitim. Ein Begriff wie Fairness ist subjektiv. Verschiedene Leute können verschiedene Vorstellungen von Fairness haben. Wenn man seine Vorstellung von Fairness argumentativ nicht begründen kann, ist sie intersubjektiv in keinem Fall nachprüfbar. 4) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "Wenn du das machst, musst du mit rmgroups der Regulars rechnen" Wenn Punkt 4 missachtet würde, wäre diese offensichtliche Drohung ohne jede Begründung ein legitimer Standpunkt. Auch ein Regular muss sich im Klaren darüber sein, welche Argumente seinen Standpunkt begründen. 5) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "Diese Newsgroup ist Unsinn, da bin ich mir absolut sicher." Wenn Punkt 5 missachtet würde, wäre dies ein legitimer Grund, eine Gruppe nicht einzurichten. Die Person hat ihren Standpunkt nicht begründet und verweist einfach auf ihr persönliches Evidenzerlebnis. 6) Ein Posting enthalte nur die Zeichenfolge: "Es wurde bereits abschließend in d.a.a. festgestellt, dass dieses Argument Blödsinn ist." Wenn Punkt 6 missachtet würde, wäre dies ein legitimer Einwand. Natürlich kann die Zielperson mit dieser Antwort nichts anfangen, da sie keinen Hinweis auf die Argumentation beinhaltet, auf die sich der Verfasser bezieht. 7) Übersichtlichkeit erleichtert es anderen, einen Text zu verstehen und sich in der Argumentation zurecht zu finden. Ich bin nicht der Ansicht, dass man dies weiter begründen könnte (oder sollte). Eine Missachtung dieses Punkts führt zu längeren Threads, da mehr Nachfragen erforderlich sind, um den Kern einer Argumentation herauszuarbeiten. 8) Ein Posting enthalte nur eine der Zeichenfolgen: "Du kannst nicht lesen." "Du hast nicht verstanden." "Du bist offenbar zu blöd, das zu kapieren." Wenn Punkt 8 missachtet würde, wären diese Aussagen, insbesondere als erste Reaktion auf ein Posting, legitime Standpunkte. Dabei wird dem Anderen nicht einmal die Chance gegeben, den Standpunkt des Verfassers nachzuvollziehen. 9) Wenn Punkt 9 missachtet wird, kommt es fast zwangsläufig zu langen, polemischen Threads. Der Grund dafür ist einfach, dass zwei Diskussionsteilnehmer, die nicht an kritischer Argumentation interessiert sind, beliebig lange aneinander vorbei reden können, ohne dass sich am Status Quo etwas ändert. Das gilt auch für den Fall, dass nur einer der Teilnehmer diese Grundsätze missachtet, denn in diesem Fall wird der Andere vergeblich versuchen, seinen Kontrahenten von der Überlegenheit einer kritischen Argumentation im Hinblick auf konstruktive Diskussion zu überzeugen. 10) Menschen sind nicht perfekt - egal wie sehr sie versuchen, sich an eine Regel zu halten, früher oder später werden sie sie möglicherwiese trotzdem einmal verletzen. In diesem Fall ist der beste Weg, das eigene Verhalten zu prüfen und die Möglichkeit eines Irrtums in Betracht zu ziehen. Der Kontrahent in der Diskussion wird damit wesentlich entlastet. Darüberhinaus kann durch zeitnahes Eingestehen eines Irrtums verhindert werden, dass die Diskussion zu einem polemischen Schlagabtausch abgleitet. 11) Da argumentativ nicht gerechtfertigte, höhere Prinzipien intersubjektiv nicht nachprüfbar sind, können sie nicht problemlos von anderen Personen eingesehen werden. Entweder es gibt dann Kritik, oder das Diskussionsniveau leidet unter dem Austausch nicht nachvollziehbarer Postulate. Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn man versucht, etwas "zu verhindern", dass einen prinzipiell nicht persönlich betrifft (oder, das man ohne Nachteile für die eigene Person ignorieren könnte). Hier läuft man besondere Gefahr, seinen Standpunkt nicht argumentativ rechtfertigen zu können. (vgl. auch 1) 12) Die Rechtfertigung dieser Regel ergibt sich ganz einfach daraus, dass tatsächlich niemand gezwungen werden kann, sich im Usenet an bestimmte Regeln zu halten. Entsprechend haltlos sind auch Versuche, durch Argumentation oder Polemik jemanden dazu zu zwingen (d.h. nicht zu überzeugen!), die Bedeutung einer Regel einzusehen. Darüberhinaus funktioniert kritisch-rationale Argumentation nicht einseitig. Beispielsweise kann eine Diskussion nicht zu einem Ergebnis kommen, wenn die eine Seite zwar eine Vielzahl von Argumenten einbringt, die andere Seite jedoch ihre Diskussionspartner unablässig beleidigt und deren Fähigkeit zur Diskussion in Frage stellt. Die Methodologie will also nicht die Position der einen oder anderen Seite in einer Diskussion stärken. Vielmehr bietet sie verschiedenen Standpunkten eine Basis, auf der das Erzielen einer Einigung überhaupt erst ermöglicht wird. Auch ist sie kein Leitfaden für besonders durchdachte Sophisterei, Polemik und Rhetorik. Sie möchte solche Einflüsse vielmehr möglichst aus der Diskussion ausschalten. 8 > F: In Punkt 10 schreibst du, dass die einzige Möglichkeit eines Widerspruchs falsche Voraussetzungen sind. Ist nicht auch ein fehlerhafter Schluss möglich? A: Schlussregeln sind in der Dialektik nicht so einfach zu definieren und nachzuprüfen wie z.B. in der Mathematik. In der Regel sind Schlussregeln Regeln zur Umformung einer Aussage, und verschiedene Leute neigen auch dazu, ihre Aussagen verschieden umzuformen und dies als logischen Schluss zu bezeichnen. Letztendlich sind also auch Schlussregeln Voraussetzungen der Diskussionsteilnehmer. Entscheidend ist, den Widerspruch als solchen zu erkennen. Das gelingt immer dann, wenn man mit den "eigenen" Regeln schließen kann, dass eine Aussage gleichzeitig sowohl wahr als auch falsch ist (Kontradiktion). 9 > F: Mir ist eher an der Pflege der Hierarchie als solcher gelegen, als an der Thematik einzelner Gruppen. Unterstellst du mit Punkt 1 nicht, dass ich kein legitimes Interesse an der Gruppe habe und deswegen nicht an der Einrichtungsdiskussion teilnehmen dürfe? A: Entscheidend ist, dass das Interesse an der Einrichtung oder Nicht- Einrichtung einer Gruppe argumentativ begründet werden kann. Für die meisten Personen, die ein Interesse an der Pflege der Hierarchie haben, ist diese Begründung möglich. Damit haben sie trotz ihrer allgemeineren Absichten ein begründetes Interesse an einzelnen Gruppen und sind eine Bereicherung für die Diskussion in d.a.a.! 10 > F: Unterstellst du etwa allen Leuten, die deine Methodologie kritisieren, dass sie nicht die Absicht hätten, konstruktiv zu diskutieren? A: Nein. Entscheidend ist einzig, ob eine Person ihren Standpunkt argumentativ begründet. Die meisten Personen, die das in der Regel tun, befolgen diese Methodologie, unabhängig davon ob sie sich überhaupt dessen bewusst sind. Inhaltliche Kritik an der Methodologie selbst steht nicht im Widerspruch zur Methodologie, sofern sie in sachlicher Weise erfolgt. Weitere Fragen werde ich gerne beantworten! Bitte per Mail an ------------------------------------------------------------------------ V. CHANGELOG ------------------------------------------------------------------------ 2003-05-01: v1.0 --> v1.1 - Zusammenfassung hinzugefügt - Punkte 8, 9 und 10 der FAQ hinzugefügt Vielen Dank an alle Leute, die durch konstruktive Kritik bei der Verbesserung dieses Dokuments geholfen haben!